Naturverbundenheit – zwei praktische Tipps für Naturverbindung
Am ersten Tag unserer Visionssuche auf dem Hochmoor im englischen Nationalpark Dartmoor laden wir unsere Teilnehmenden immer zu einem „Connection to Nature Walk“ ein, einen Spaziergang für Naturverbundenheit. Wir gehen entlang der geschwungenen Hügel, durch brusthohe Farne („Bracken“) und moosumsäumte Bäche. Dabei leiten wir immer wieder verschiedene Erfahrungen an, auf die man sich in seiner eigenen Weise einlassen kann. Meist kehrt dann so etwas wie eine ehrfürchtige Stille in die Gruppe ein. Es macht etwas mit einem, sich des Lebens um einen herum bewusst zu werden.
Aber wie geht das eigentlich, mit der Natur – oder mit irgendwas – in Kontakt zu kommen? Wie werde ich naturverbunden? Nun, das ist ein riesiges Feld, und wenn dich das interessiert, dann nimm gerne eines der Angebote von Changing Heart wahr. Wenn du aber für dich selbst gerne mal damit experimentieren möchtest, gibt es hier zwei praktische Tipps, mit der Natur in Kontakt zu kommen.
Nimm dir Zeit
In einem Newsletter habe ich mal von einer Studie gelesen, die untersuchte, wie sich unsere durchschnittliche Gehgeschwindigkeit im Lauf des letzten Jahrzehnts verändert hat. Du kennst das bestimmt: Wenn du zu einem wichtigen Termin gehst oder viel zu erledigen hast, gehst du schneller als vielleicht an einem freien Sonntagnachmittag. Das Spannende daran: Dieses innere Tempo wirkt tief in uns hinein und bestimmt buchstäblich, wie wir durchs Leben gehen. Die TU-Chemnitz hat dazu eine umfangreiche Studie durchgeführt und kommt zu dem Schluss: „Das Gehen spiegelt das allgemeine Lebenstempo wieder, in dem ein Mensch lebt und in dem er kulturell verankert ist.“ So kam die erwähnte Studie zu dem Ergebnis, dass wir heute schneller gehen als noch vor zehn Jahren. Warum ist das bemerkenswert?
Das Tempo, mit dem du unterwegs bist, bestimmt deine Wahrnehmung. Ein Experiment mit der Zeit wäre es darum, bei einem Spaziergang in deinem normalen Tempo zu gehen und dann eine kurze Pause einzulegen. Geh einen Moment lang in dich und erinnere dich, was du gerade von deiner Umgebung wahrgenommen hast.
Dann geh weiter, aber halbiere dein Tempo. Geh eine Weile so und beobachte dabei, was mit Deiner Wahrnehmung geschieht. Wirst du auf andere Dinge aufmerksam als vorher? Wie nimmst du deine Umgebung jetzt wahr? Wie fühlt sich das an?
Wenn du magst, kannst du das Tempo noch weiter reduzieren und beobachten, ob sich wiederum etwas verändert.

Geh nah ran
Ein anderes Feld für Kontakt ist die Nähe. Beobachte dabei, an was du bei deinem Spaziergang so alles vorbeigehst. Ein Baum, ein Hügel, eine Blume, ein Bach, Krähen in einem Baumwipfel … Achte mal darauf, wie etwas im Außen in den Raum deiner Wahrnehmung eintritt und wann es durch irgendetwas anderes ersetzt wird. Vermutlich geschieht das in einer recht kurzen Zeitspanne, weil auf einem Spaziergang ja viele Dinge um dich herum sind. Deshalb ist das Verlangsamen hilfreich, denn so gibst du dir mehr Zeit für Naturverbundenheit.
Wähle nun etwas aus – vielleicht einen Baum, eine Blume, einen Ameisenhaufen, einen Platz am Bachufer – und gehe nah ran. Beobachte das Gegenüber, das du dir ausgesucht hast. Vermutlich fallen dir verschiedene Dinge auf, Farben, Formen, Gerüche, Geräusche, Bewegungsmuster. Es kann gut sein, dass ein Punkt für dich kommt, an dem du denkst: Alles klar, jetzt hab ich alles gesehen. Bleib an der Stelle noch ein paar Momente länger bei deinem Gegenüber und horche mal in dich hinein, was in dir gerade vorgeht. Welche Rolle spielt dabei das Gegenüber? Ist es reines Objekt, oder berührt es dich in irgendeiner Art und Weise? Wie?
Geh anschließend weiter und spüre noch einem Moment nach, wie es jetzt anders in dir ist, nachdem du diese Begegnung gehabt hast. Spürst du Verbundenheit in irgendeiner Form? Wie fühlt sie sich an? Wie fühlt sich das Spazierengehen jetzt an?
Naturverbunden durchs Leben
Vielleicht ergeht es dir ja ähnlich wie vielen unserer Visionssuchenden – für sie ist diese Übung oft ein großes Aha-Erlebnis. So etwas wie ein erster Schritt, um wahrzunehmen, dass da viel mehr um uns herum ist, als wir oft in unserer Geschäftigkeit und Konditionierung zulassen. Dass da noch viel mehr geht. Naturverbunden werde ich, wenn ich meine Aufmerksamkeit für die Natur um mich herum öffne. Dann erkenne ich möglicherweise, wie sie mit meiner eigenen Natur verbunden ist. Das ist dann tatsächlich im besten Sinne „bewusstseinserweiternd“.
